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© 2006 Burschen- und Mädchenschaft Niederquembach e. V.

Online seit 12.09.2006

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Warum Gugugger ?!?

Wer über die Wesensart der Ouembächer nachdenken möchte, der kann an der Frage, warum sie von ihren Nachbarn "Gugguger" genannt werden, nicht vorübergehen. Oft ist darüber gerätselt worden, und viele Möglichkeiten, wie diese schelmische Bezeichnung entstanden sein mag, sind schon diskutiert worden.

Mir scheint die Version, die eine mehr zufällige Begegnung einer Niederquembacherin und einer Oberquembacherin an der Gemarkungsgrenze "em Pingstgroawe" beschreibt, der Wahrheit am nächsten zu kommen. Man muss wissen, dass manche Niederquembacher oft gezwungen waren, Gras zum Verfüttern an das Vieh und Laub zum Streuen als Strohersatz im Wald zu holen, da ihr karger Boden kaum einmal ausreichende Ernten erbrachte. Als es in der Niederquembacher Gemarkung wieder einmal nicht mehr viel zu holen gab, muss die Niederquembacherin wohl mehr versehentlich, denn in diebischer Absicht auf Oberquembacher Gebiet geraten sein. Darüber jedoch soll dort eine begüterte und resolute Bauersfrau gar nicht erbaut gewesen sein. Sie versuchte daher auch energisch, der Nachbarin die eindeutige Rechtslage klarzumachen und sie zu bewegen, sich unverzüglich aus den fremden Gefilden zurückzuziehen und ihr Vieh gefälligst mit dem zu versorgen, was in der heimatlichen Flur zu finden sei. Vielleicht wären beide ja wieder in Frieden ihrer Wege gegangen, wenn die Oberquembacherin ihre um ihr hungerndes Vieh besorgte Nachbarin nicht so unverzeihlich gekränkt hätte. "Ihr seid wey die Gugugger unn suchd als nur fremd Näester!" soll sie unnötigerweise bei der Verabschiedung geschimpft haben. Das jedoch war für die wackere Gras- und Laubsucherin aus Niederquembach eine unerträgliche Herausforderung. Und da sie nicht gerade auf den Mund gefallen war, soll sie schlagfertig zurückgeschleudert haben: "Wann mihr die Gugugger sei, dann seid ihr die Gamphoijer!"

Wie dem auch sei, in früheren Jahren durfte kein Fremder die Niederquembacher "Gugguger" nennen, und gar manche Episode ist überliefert, die der Ruf "Gugugg!" ausgelöst hat.

Da wird von einem Niederquembacher berichtet, der als Briefträger seinen verantwortungsvollen Dienst in Philippstein versehen musste. Als die Schulbuben gemerkt hatten, dass besagter Quembacher Briefträger nach seiner anstrengenden Tour von Braunfels nach Philippstein nicht mehr ganz bei Atem war, da versteckten sie sich an einem herrlichen Februarmorgen um die Jahrhundertwende hinter dem alten Backhaus und riefen gekonnt und beinahe naturgetreu: "Kuckuck, Kuckuck!" Unser Briefträger freute sich, wie konnte es anders sein, als echter Quembächer an den lieblichen Gesang, wunderte sich aber doch ein klein wenig, dass zu so früher Jahreszeit schon das so vertraute Lied erklang. "Na ja!", so mag er wohl gedacht haben, "die Natur denkt sich doch immer wieder wahre Wunder aus." Als sich am nächsten Morgen aber das Spielchen wiederholte, da wurde er doch ein bisschen stutzig. Und dann, als er plötzlich das spitzbübige Gesicht des unvorsichtig gewordenen Übeltäters hinter der Hauswand hervorlugen sah, da war's geschehen: die Brieftasche hin, und nichts wie hinter diesem Menschen, der es gewagt hatte, einen Quembächer so zu beleidigen, her. Der Knabe aber war, so ist es glaubhaft überliefert, schneller, und unserem geplagten Landsmann blieb nach seiner vergeblichen Verfolgungsjagd nichts anderes mehr übrig, als tief gekränkt seine inzwischen weit verstreuten Briefe wieder einzusammeln...

 

Quelle: Handbuch "Wissenswertes über Niederquembach" von Werner Wenzel, 1980